Sie heisst Anni, und das Leben hat sie nie verwöhnt. Aber sie hat ihr Herz dort, wo es hingehört. Sie weiss, was richtig ist und falsch. Und sie respektiert diesen einfachen Lebenskodex: offen, ehrlich, mit Wärme.
Anni hat das, was vielen weit aus "vornehmeren" und sich selbst als tüchtig ansehenden Mitmenschen abgeht: Zivilcourage. Sie steht ein, für das, woran sie glaubt, was wahr und richtig ist. Sie tut dies mit Festigkeit, gradlinig und konsequent. Obschon sie für die Ihren durchs Feuer geht, werden dabei auch die Ihren nicht geschont.
Wenn Anni sagt, was Sache ist, dann findet sie Gehör - selbst bei Politikern und Journalisten. Und das will was heissen.
Anni ist - formal gesehen - ein "Sozialfall". Doch ehrlich kennen Sie Sozialfälle ohne Schulden? Dieses Wunder schafft Anni. Dabei hat sie Humor. Beweis: ihre Mailanschrift. Mehr darf ich allerdings dazu nicht verraten. Anni ist vor allem ein Sonnenstrahl. Solche Menschen haben wir alle bitter nötig.
Seit 40 Jahren liebt Anni den Mann ihres Lebens, ihren "Heng". Seit Jahren ist Heng angewiesen auf die liebevolle und aufopfernde Pflege seiner Anni. Am letzten Freitag nun ist Heng gestorben. Ich glaube Anni würde alles geben, ihn weiterversorgen zu dürfen. Dies noch unezählte Jahre! Wir haben versucht sie, zu trösten. Das einzige Argument, das (vielleicht) griff, war die Überlegung, wie Heng es denn ohne Anni hätte schaffen können. Dass es bei allem Unglück doch ein Segen ist, dass der seit Jahren schwerkranke Gatte als Erster gehen durfte.
Ich bedanke mich bei allen, die Anni in diesen bitteren Tagen trösten, stützen, aufrichten, bei sich aufnehmen, ihr Respekt zollen und sie anerkennen. Dazu gehören Tochter und Brüder, alte Freundinnen unter den Elisabetherinnen und den Sozialarbeiterinnen. Dazu zählen auch ein toller Arzt, den ich an Hengs Totenbett schätzen gelernt habe (Dr. Marco Klop) sowie sein Pflegeteam in der Zithaklinik.
Ich hoffe, dass dazu auch Annis Nachbarn zählen werden. Bösartiger Tratsch erstickt das, was wir wohl alle schätzen und brauchen: gute Nachbarschaft.
Liebe Mutter Courage: Kopf hoch! Und nicht vergessen: Anni braucht jetzt endlich auch mal Anni! Also: sich selber nicht vergessen und sich den Luxus leisten, sich selbst gut zu sein.
Schoos, 11. August 2010.
Mill Majerus
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